Die Wiegenstube

Die grundlegenden Elemente der Waldorfpädagogik Vorbild/Nachahmung, Rhythmus, Sinnespflege...enthalten in der Kleinkindpädagogik noch weiterreichende Aspekte.

So ahmen 0-3jährige Kinder hauptsächlich die emotionale Verfassung ihres Gegenübers nach.

Sie erspüren die Stimmung in der wir uns befinden und nehmen diese Schwingung auf.

So haben wir die große Verantwortung für unsere Ausgeglichenheit und damit für eine harmonische Atmosphäre im Raum zu sorgen.

Auch unsere Tätigkeiten müssen wir einfach und durchschaubar gestalten, damit sie für die Kinder leicht nachvollziehbar sind. Deshalb kneten wir den Teig für die Semmeln z.B. mit der Hand und nicht mit der Maschine, damit die Kinder den Prozess beobachten und nachahmen können.

Für Kinder dieses Alters ist ein Rhythmus oder ein Ritual das sich immer wiederholt, beim Spielen, Füttern, Schlafen, also etwas auf das man sich innerlich einstellen kann, noch wichtiger als im späteren Alter. Die Sicherheit die diese Vorhersehbarkeit gibt, ermöglicht es dem Kind sich vertrauend der Welt zuzuwenden.

Genauso wichtig ist eine sichere Bindung zu geliebten Bezugspersonen, die sich verlässlich und feinfühlig verhalten. „Geborgenheit macht frei.“(Butzmann)

 

Der Grundstein einer vertrauensvollen Beziehung wird bei der Eingewöhnung gelegt.

Deshalb kommt dieser ein hoher Stellenwert zu.

Aus der Erfahrung mit vielen Eingewöhnungen haben wir ein Modell erstellt, welches eine Orientierung darstellt, sich aber flexibel an die individuellen Gegebenheiten der Kinder anpasst.

Eingewöhnung in der Wiegenstube

Planung der Eingewöhnung

  • 1-2 Wochen vor Beginn der Eingewöhnung findet ein Vorgespräch mit der geplanten Bezugserzieherin statt, bei dem gegenseitige Fragen und Unsicherheiten geklärt werden können.
  • Planen Sie für die Eingewöhnung etwa 3-6 Wochen ein, die Sie mit Ihrem Kind in der Wiegenstube verbringen werden.
  • Wenn es Ihnen möglich ist, richten Sie es so ein, dass Ihr Kind in der Eingewöhnungsphase von ein und derselben Bindungsperson begleitet wird.
  • Damit Ihr Kind genügend Zeit hat, die Bezugsbetreuerin, die anderen Kinder der Gruppe, unsere Räumlichkeiten und die Abläufe in der Wiegenstube kennenzulernen, kommen Sie in den ersten Tagen bis zu 2 Stunden täglich in die Gruppe.

 

Die erste Zeit in der Gruppe

  • Ihr Kind braucht Sie in der ersten Zeit der Eingewöhnung vor allem als „sicheren Hafen“.
    Wir bieten Ihnen einen festen Platz im Gruppenraum an, wo Ihr Kind so lange bei Ihnen sein kann, wie es für das Umschauen benötigt.
  • Begleiten Sie Ihr Kind durch aufmerksames Schauen und Anteilnehmen an seinen Aktivitäten. Es kann immer wieder zu Ihnen kommen, sich ausruhen, trösten lassen und Ihre Nähe spüren.
  • Die Bezugsbetreuerin ist in dieser Zeit in der Nähe Ihres Kindes, beobachtet sein Spiel und seine Entdeckungen. Um die Beziehung aufzubauen, wird sie aufmerksam auf die Äußerungen des Kindes reagieren und damit Kontakt zu ihm aufnehmen.
  • In den ersten Tagen werden Sie Ihr Kind wickeln und etwas zu essen geben.  Wenn das Kind mit uns vertraut ist, übernehmen wir in Absprache mit Ihnen diese Aufgaben.

 

Trennung und Abschied

  • Frühestens in der 2. Woche der Eingewöhnung streben wir die erste Trennung an. Ihr Kind ist dann schon vertrauter mit uns Pädagogen, den anderen Kindern, den Räumlichkeiten und Abläufen.
  • Bevor Sie den Raum verlassen, verabschieden Sie sich deutlich von Ihrem Kind und sagen ihm, dass Sie wiederkommen werden.
  • Übergeben Sie das Kind nun in die Obhut der Pädagogin oder des Pädagogen, indem Sie sich mit ihr/ihm zusammen Ihrem Kind zuwenden und es ihr/ihm dann auf den Arm geben. Verlassen Sie dann zügig den Raum.
  • Geben Sie Ihrem Kind und sich selbst die Chance, die Trennung zu verarbeiten und sich zu beruhigen. Für die erste Trennung planen wir ca. eine halbe Stunde ein. Sollte sich Ihr Kind nicht beruhigen lassen, rufen wir Sie zurück.
  • Sie sollten für uns jederzeit im Falle eines unerwarteten Problems verlässlich telefonisch erreichbar sein. Bitte entfernen Sie sich in den ersten Tagen der Trennung nicht weit vom Haus, damit Sie bei Bedarf schnell zur Stelle sein können.
  • Wenn die Bindungsperson (Mutter, Vater,...) kommt, ist die Zeit in der Wiegenstube vorbei. So lernt das Kind, „Mama kommt wieder, bleibt dann bei mir und nimmt mich mit, wenn sie die Einrichtung verlässt“.
  • Die Bezugserzieher*in verabschiedet sich von Bindungsperson und Kind.
  • An dieser Stelle wird täglich ein kurzes Gespräch über Eindrücke, Erlebnisse und zur Klärung evtl. auftauchender Fragen geführt.
  • Nach gelungener Trennung wird die Anwesenheitszeit in der Wiegenstube schrittweise erhöht, bis das Kind die gesamte Buchungszeit bei uns verbringen kann.

 

Kinder, die bis 15 Uhr angemeldet sind

  • Der letzte Schritt der Eingewöhnung ist die Schlafenszeit.
  • Erst, wenn ihr Kind vollständig in der Wiegenstube angekommen ist, wird Ihr Kind in unserer Gruppe schlafen.
  • Ihr Kind lernt den Schlafraum bereits in der Freispielzeit kennen, da er in dieser Zeit auch zum Spielen genutzt werden kann.

 

Kinder unter drei Jahren brauchen noch viel Unterstützung bei der Pflege: Füttern, wickeln, An- und Ausziehen. Diese Situationen sind besondere Momente der Zweisamkeit in der die Beziehung zum einzelnen Kind gepflegt wird. Die Achtung und der Respekt, den wir dem Kind besonders in diesen Pflegesituationen schenken prägt das Selbstbild des Kindes und stärkt sein Selbstvertrauen. Die Achtung äußert sich auch darin, daß bei den pflegerischen Tätigkeiten nicht über den Kopf der Kinder hinweg agiert wird, sondern die Kinder miteinbezogen werden in einem Miteinander. Wir erklären den Kindern, was geschehen soll und nehmen uns Zeit für seine Mithilfe. Unser Anliegen ist es, von Anfang an dem Kind Respekt vor seiner Persönlichkeit und seinen Grenzen zu vermitteln und seine Würde zu wahren. In der weiteren Entwicklung berücksichtigen wir die sich entwickelnde Kompetenz des Kindes und überlassen ihnen zunehmend die Initiative. Da Kinder dieses Alters sich oft noch nicht genau ausdrücken können, braucht es viel Feingefühl, die Signale des Kindes zu erkennen. Kinder, die in dieser Weise echtes Interesse für sich erleben, die sich geliebt und wahrgenommen fühlen, können sich frei und unabhängig ihrem Spiel und ihren Lebensaufgaben widmen.

Auch in der Bewegungsentwicklung ist für uns die Eigeninitiative des Kindes maßgeblich.

Das Kind übt und wiederholt Bewegungsabläufe trotz kleinerer und größerer Rückschläge so lange bis es sie beherrscht. So ist das Kind sicher in dem was es tut und wagt sich nur an das heran, was es durch viel üben und probieren auch sicher beherrscht.

Unsere Räume sind so gestaltet, daß sie den Kindern Möglichkeiten geben, unterschiedliche Bewegungsabläufe auszuprobieren. Dadurch, daß wir ihre Bemühungen nicht durch vorschnelles Eingreifen unterbrechen, erleben sie auch etliche Mißerfolge. Auf diese Weise lernen sie, Frustrationen zu tolerieren und neue Wege zu suchen, ihr Ziel zu erreichen. Gelingt es ihnen dann, sieht man den Kindern den Stolz und die Freude an, etwas aus eigener Kraft erreicht zu haben. So entwickelt sich ein Gefühl von Selbstkompetenz und das ist die beste Grundlage dafür, sich auch später im Leben mutig an Aufgaben zu wagen, durchzuhalten und kreativ immer neue Wege zu suchen um das sich selbst gesteckte Ziel zu erreichen.

Wie wir finden, eine sehr wichtige Kompetenz und Grundlage für Resilienz. Ich schaff das!

 

Der rhythmisch gegliederte Tagesablauf in der Wiegenstube besteht aus sich wiederholenden Elementen der Aktivität und der Ruhe, also des Ein- und des Ausatmens.

Der Tag beginnt mit der Freispielzeit, gegen 9.00Uhr gibt es am Tisch eine Brotzeit mit einem kurzen Ritual, da können die Kinder zur Ruhe kommen und sich stärken.

Im zweiten Teil der Freispielzeit findet das Wickeln der einzelnen Kinder statt, für das sich eine Pädagogin viel Zeit nimmt.

Anschließend treffen sich alle auf dem Teppich im Morgenkreis, wo kleine Fingerspiele, Jahreszeitliche Lieder oder auch Schoßpuppenspiele mit den Kindern gestaltet werden.

Danach gehen wir in kleinen Gruppen in die Garderobe, wo sich die Kinder anziehen dürfen. Dabei werden die Kinder je nach ihren Möglichkeiten von den Pädagogen begleitet.

Daran schließt sich die Gartenzeit an. Wenn wir wieder hineingehen, wird noch einmal nach Bedarf gewickelt oder mit den Kindern auf‘s Klo oder Töpfchen gegangen.

Anschließend gibt es für alle Kinder ein Mittagessen.

Die Schlafkinder werden nun ins Bett gebracht, wobei im Tageslauf auf die verschiedenen Schlafrhythmen der Kinder eingegangen wird. Manche Kinder haben ihren Buggy dabei und schlafen schon im Garten.

Abholzeiten sind ab ca. 12.15 Uhr bis 12.45 Uhr und 14.15 Uhr bis 14.45 Uhr.

 

Da wir nur eine Kindergartengruppe und eine Wiegenstube haben, ist es möglich eine intensive Verbundenheit beider Gruppen anzustreben. Dies hat viele gute Auswirkungen: eine große Harmonie im Team, die notwendige Möglichkeit sich Gruppenübergreifend bei Krankheit auszuhelfen und vor Allem, daß unseren Kindern alle Pädagogen sowie alle Kinder vertraut sind. Durch gemeinsame Ausflüge und Feste lernen sich Eltern und Kinder noch besser kennen. Die Erfahrung hat gezeigt, daß der Übergang in den Kindergarten so für die Wiegenstubenkinder ganz leicht ist.

 

 

Durch den ersten Sonnenbogen

kommt ein Schmetterling geflogen…

Ei, willkommen, guten Morgen.

Kommt, bei uns seid ihr geborgen!

H.Diestel

 

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